In
einer
Zeitschrift, die sich mit classischen Traktoren beschäftigt, war
2010 zu lesen, die Motoren der 10er-Serie seinen grundsätzlich aus
dem Werk
in Saran gekommen. Das hat mich stutzig gemacht, denn mir war etwas
anderes in Erinnerung geblieben, und zwar:
Nach Kauf unseres 510 kam es, wie damals und bestimmt auch heute noch
üblich, zur Begutachtung des guten Stücks durch die
Nachbarschaft. Ich kann mich noch dunkel daran erinnern, dass in den
Gesprächen über den "bescheidenen Franzosenmotor" hergezogen
wurde, weil der "Ami-Motor" besser sei. (Aus dieser Zeit stammen auch
die Sprüche wie: John Deere Lanz, mehr kaputt als ganz, u.s.w.).
Anmerkung: unser 510 war einer der letzten der Baureihe und der Motor
läuft auch heute noch prächtig.
Kurzum, das geschriebene Wort hatte mich unsicher gemacht und so habe
ich diesbezüglich Kontakt zu unserem IG-Mitglied Michael Martin
aufgenommen, der diese früher Schlepper verkauft hat.
Hier seine ungekürzte Antwort vom 27.03.2010:
Zu Deiner Frage: Ja, die ersten Drei- und Vier-Zylinder Motoren der
10er-Serie, kamen aus den USA. (Herbst 1965, mein 710 ist einer davon).
Dann kamen die Motoren aus Saran. Diese Motoren hatten anfangs einen
sehr schlechten Ruf, weil die Gummidichtringe an den Laufbüchsen
sich
nach einigen hundert Betriebsstunden auflösten und das Wasser ins
Kurbelgehäuse kam. Welcher Bauer guckt schon jeden Morgen nach dem
Ölstand? Die Folge: kapitale Motorschäden an neuen Maschinen!
Saran reagierte viel zu langsam, experimentierte dann mit Dichtringen
anderer Gummizusammensetzungen. Erst als die neuen
Dreiring-Laufbüchsen ( die alten hatten nur zwei) verbaut wurden,
bekam man das Problem in den Griff. Der gute Ruf war dahin.
Die Probleme gingen bis in die 20er-Serie. Dieses Fiasko habe ich
selbst mit erlebt, der Neuverkauf war äußerst schwierig, die
"roten"
waren oben auf!
Im Nachhinein kann man sagen, dass die 10er "die 0 Serie der 20er" war.
Die Motoren der310/510 wurden in die 820/920/1020 eingebaut. Gleicher
Hubraum und gleiche Bohrung, zur Leistungssteigerung wurden die
Drehzahlen erhöht.
Das gleiche Spiel mit dem 710: 50 PS 3320ccm Hubraum, 98 Bohrung, 2400 Upm, 2020: 60 PS, gleiche Daten, nur 2500Upm.
Der 1120, der 1967 auf den Markt kam, hatte einen neuen Motor: 2695ccm Hubraum., 102 Bohrung, 2500Upm. 49 PS.
Die Einführung der 20er war für JD der Durchbruch zum
Weltmarkt, durch das Baukastenprinzip wurde wieder Geld verdient.
Aber: Die Typenvielfalt bei JD war zu Ende, die 20er-Serie bis zum
3120, wurde für den gesamten Weltmarkt überwiegend in
Mannheim und
Spanien, mit Motoren aus Saran, gebaut, die über 100PS kamen zum
größten Teil aus den USA.
Deswegen ist ja auch JD seit über 40 Jahren unangefochten der größte Schlepperhersteller in Deutschland!
Die Typen 1020 und 2020 wurden nach USA exportiert. Auch kleinere
Stückzahlen vom 510 und 710 wurden über den großen
Teich geschickt.
Aus Fehlern wurde man klug und der Erfolg gab denen Recht!
Heute gehören die DPS (Deere Power Systems) Motoren aus Saran zu
den zuverlässigsten, leistungsstärksten und sparsamsten
Motoren im Schlepperbau!
Wir haben natürlich auch ein "Beweisfoto", bei Michels 710er, gemacht.  |