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Integrationsgeschichten, oder das Eindeutschen von Amerikanernvon Toralf Weber, Königsfeld in Sachsen |
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| In eigentlich allen Publikationen über die ersten Johnny’s ist davon die Rede, dass der stärkste aus Amerika kam und in „Kisten“ nach Mannheim geliefert sowie in Mannheim für den europäischen Markt angepasst wurde. | ||
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Aber was haben die da eigentlich gemacht??? Ich beschränke mich bei meiner Darstellung auf den 3010 der in meiner Scheune steht, denn schon bei unwesentlich jüngeren Modellen gab es Änderungen. John
Deere hatte den Markt in den ersten Jahren in Europa mit den neuen
Modellen 300/500 sondiert und war zu dem Schluss gekommen, dass der
Bedarf an Schleppern oberhalb der 40PS Grenze relativ gering war. Was lag
also näher, als dieses schmale Segment mit Maschinen zu beliefern,
die
schon im Programm sind. |
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Aber
jetzt
kommt
das
deutsche
KBA! Das geht gar nicht. Weiterhin stellt der gemeine amerikanische Farmer seinen Schlepper zu Hause ab, betätigt die Parksperre und genießt bei Frau und Kindern das Abendessen, um morgens die Arbeit wieder aufzunehmen. Ohne die Handbremse anzuziehen, weil die existiert nicht. Das geht auch nicht. Wenn es dunkel wird in USA, fährt der Farmer nach Hause. Um den Weg zu erkennen ,hat er Lichter in den Kotflügeln, zumeist 2 rechts und links in den verbreiteten schmalen Dachkotflügeln (irgendwo habe ich mal gelesen das man sie „Rosario-Kotflügel“ nennt). Die gab’s aber nur in der Row-Crop Version, die Standard oder die Utility Version hatten nur eine Lampe. Das geht beides nicht, weder die Koti’s noch die Lichtanlage. Wenn der Farmer abbiegen wollte, dann hat er das sicher auch getan. Aber in den endlosen Weiten der Weizenfelder von Iowa war die Wahrscheinlichkeit jemanden zu behindern relativ gering. Im eng besiedelten und reglementierten Deutschland muss das angezeigt werden. Daher Blinker dran. Und einen abgenommen und typgeprüften Anhänger darf man in Deutschland auch nur an eine abgenommene und typgeprüfte Anhängevorrichtung kuppeln. Wie ihr seht gab es einiges zu tun bevor das Schlepperchen in Deutschland fahren durfte. |
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| Ich
möchte die Maßnahmen nun im einzelnen beleuchten: Der gravierendste Eingriff ist wohl im Einbau der Handbremse zu sehen. Das deutsche KBA verlangte nach einer unabhängigen Feststellbremse. Da der Ami über eine motorhydraulische Bremse verfügt ist die Bremswirkung bei stillstehendem Motor zwar gegeben, aber zum Abstellen wurde das Getriebe über die „PARK“ Stellung verriegelt. Das war den KBA-Leuten nicht genug. So wurden für den europäischen Johnny eigens Halbachsen gegossen die, im Gegensatz zu den amerikanischen, einen Flansch zur Aufnahme der Bremsbacken haben. Diese Halbachsen finden sich nur im deutschen Ersatzteilkatalog. Die ganze Handbremskonstruktion dürfte noch aus den Lanz-Regalen stammen. Zwei nach außen öffnende Bremsbacken drücken auf eine darüber gestülpte Bremstrommel, die ihrerseits auf den Achsstummeln der Endantriebe läuft und die Radbolzen trägt. Wobei die Enden der Achswellen, im Gegensatz zu den amerikanischen, mit Längsnuten versehen sind auf denen die Bremstrommel sitzt und die Kraftübertragung stattfindet. Also keine herausstehenden Achsen mehr. Der Betätigungshebel wurde einfach mit einer Welle über die Fahrerplattform gezogen. Die Wirkung der Handbremse ist nicht besonders hervorragend und böse Zungen behaupten das sie die KBA–Abnahme nur mit einer Hilfe einer Handvoll Sand bestanden hat. Anschließend an die Bremstrommel wurden dann, im Gegensatz zu den amerikanischen Modellen, auch europäische Felgen (Lemmerz) mit den entsprechenden Reifenkombinationen montiert. |
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Die
Elektrik eines Amis ist meist eine 24V – Anlage, im Fall des
3010 mit zwei 70Ah Batterien gespeist. Daraus resultiert die
Verwendung von 24V Peripheriegeräten. Die Originalausstattung ist,
je nach Ausführung als Row-Crop bis zum Orchard (Obstplantage),
mehr oder
weniger spartanisch. Da in Deutschland eher 6V oder (für
Anspruchsvolle) 12V-Anlagen Standard waren, wurde dem 3010 eine
12/24Vanlage mit Batterieumschalter verpasst, wie man sie aus dem
LKW-Sektor kannte (oder auch bei anderen großen Schleppern). Gestartet wird
mit dem 24V Anlasser, aber das restliche Bordnetz ist
12V. Die Beleuchtung wurde den deutschen Bestimmungen angepasst indem
vorn rechts und links die Hauptscheinwerfer mit Fern-und Abblendlicht
montiert (die übrigens ein Jahr später vor die Frontmaske
wanderten, warum auch immer und sei es wegen der
Lichtausbeute) und an den für Europa montierten
Muschelkotflügeln waren nach vorn die Blink-/Begrenzungsleuchte
und
nach hinten die damals typischen Zweikammer Brems-/Blinkleuchten von
Hella montiert. Wobei nach hinten aufgrund der Wölbung der Muscheln zwei „Designerstahlplatten“ die Aufnahme der Lampen, der Anhängersteckdose und des Kennzeichens übernahmen. Alles natürlich genormt und abgenommen. |
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| Völlig
neu
konstruiert wurde zudem die Wagenanhängevorrichtung. Mit
einem
speziellen Anbaubock wurde die auch bei den Modellen 300/500 verwendete
Kupplung an die Aufnahme des Oberlenkers angepasst. Und nach vorn wurde
eine Drückevorrichtung an den Vorderachsbock geschraubt. Diese
beiden
Teile sucht man in der amerikanischen ETL auch vergebens, dort wurden
die Erntewagen einfach ans Zugpendel gepappt und ab ging‘s. Das die
amerikanischen Erntewagen eine andere Konstruktion waren und sind
machen Wolfgangs Bilder auf der Group-Site deutlich. Anmerkung: ein Auszug der von John Deere von 1940 bis etwa 1970 hergestellten Ackerwagen kann hier eingesehen werden |
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Auch sollte der von Amerika bekannte Quickkuppler zum Einsatz kommen, mit dem ein Schnellwechseln von Anbaugeräten möglich ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich einer von den 120 Käufern damals für so ein Feature entschieden hat. Wenn jemand einen kennt, sagt mir bitte Bescheid - ich bin noch auf der Suche nach so einem Ding.Bei derart umfangreichen Änderungen erklärt sich die Lieferung in Kisten von selbst und ich kann mich in die Improvisationskraft der Mannheimer Ingenieure versetzen, die Gratwanderung der deutschen Vorschriften zu bestehen. Zu dem ist auch noch erwähnenswert das in anderen europäischen Ländern (z.B. Frankreich) Vorgaben existierten die vorschrieben, wie viel Prozent eines Produkts aus einheimischer Produktion stammen mussten, um nicht mit Importzöllen belegt zu werden. So wurden da schon mal Michelin Reifen montiert. Und auch der Standort für das Motorenwerk in Saran ist nicht zufällig gewählt. Andererseits hat der erste nach Deutschland importierte Johnny auch konzernweit die Horizonte erweitert, was letztendlich den Standort Mannheim innerhalb des Puzzles John Deere gesichert hat. Bis heute. |
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| Ab 1965 wurde der
3010 durch den 3020 ersetzt, der noch mit den selben
Änderungen ausgeliefert wurde. Dazu gesellte sich der
Sechszylinder
4020 mit 100PS bei dem jedoch die Kotflügel vom Row-Crop
montiert
blieben, obwohl für die "Standard"-Ausführung durchaus
größere
Dachkoti’s (ähnlich 710) verfügbar waren. Keiner kennt die Gedanken des KBA, aber das ist eine andere Geschichte. |
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Quellen: Bild 1 aus Kurt Häfner Lanz von 62-67, Privatfotos, private Prospektsammlung |
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